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Montag, 6. Oktober 2014

Lösungsbücher: Kunst, Information und krasses Fan-Gehabe




,,Kommen Sie nicht weiter? Ist der Boss zu stark? Kein Glück im Spiel? Greifen Sie zum Lösungsbuch und schließen Sie das Spiel erfolgreich ab!" - So bewirbt ein namhafter Elektronikhändler die zumeist von Piggyback oder Bandai Namco herausgegebenen offiziellen Nachschlagewerke, die den Spieler vertiefende Einblicke in die Materie des jeweiligen Videospiels gewähren. Diablo 3, Call of Duty Ghosts, Grand Theft Auto 5, Watch_Dogs, Assassin's Creed IV: Black Flag oder Sims 4 - Mittlerweile gibt es zu fast jedem namenhaften Spiel ein offizielles Lösungsbuch. Die meisten dieser Spiele habe ich allerdings ohne die Hilfe eines solchen Folianten durchgespielt. Die Fundorte der fünzig Briefschnipsel in GTAV? Die habe ich einfach mit ein paar schnellen Klicks im Internet in Erfahrung gebracht. Die Standorte der acht Tavernen in AC IV: Black Flag? Die habe ich auf gleichem Wege gefunden. Sind Lösungsbücher im Zeitalter des Web 2.0 überhaupt noch sinnvoll? Sind Lösungsbücher Relikte vergangener Tage, an denen das Internet noch in den Kinderschuhen steckte? Gewiss nicht, um diese Antwort schon einmal vorwegzunehmen. Dennoch ist es nicht abzustreiten, dass sich die Haltung, meine eigene Haltung, gegenüber Lösungsbücher in den letzten Jahren gewandelt hat.


Steht doch alles im Internet!


Wir befinden uns in der Ära der schnellen Information: Jeder kann jederzeit jegliche Info ins Netz stellen, an denen sich ein anderer jederzeit und vielerorts bedient. Das ist effizient, kostenlos und rasend schnell. Wozu sollten wir uns die Mühe machen, Informationen zu kaufen, die in klobigen potenziellen Staubfängern niedergeschrieben sind? Das ist eine berechtigte Frage, gerade wenn man an der First-World-Krankheit leidet, in seiner Wohnung an der Masse eigener Produkte allmählich zu ersticken. Dies gilt natürlich nicht nur für Lösungsbücher, sondern für haptische Medien allgemein: Aus alten analogen Zeiten hat sich eine Produktpalette aus Verpackungen, Schachteln, Collectors-Edtions, Steelbooks und Sammelbänden in unseren Heimen breit gemacht, die nur stockend von einer vollständigen Digitalisierung ersetzt wird. Wer herzlos ist, beschleunigt diesen Vorgang und schmeißt seinen Kram aus dem Fenster, um in Zukunft nur noch auf Streaming-Dienste und Download-Content zu setzen. Wozu ein Regal? Steht doch alles im Internet! Die Sammelwütigen hingegen, horten die bunte Packungsvielfalt ihres Lieblingsmediums in ihren beeindruckend erdrückenden Spielzimmern und wollen von digitalen Inhalten am liebsten gar nichts wissen. Wer so ist wie ich, ein Hybrid, der hütet und behält sein geliebtes Sammelsurium, fügt aber nur noch bedingt haptische Produkte hinzu, um das Chaos im Raum noch einigermaßen im Schach halten zu können. So kann ich feststellen, dass ich die Angebote im PSN-Store seit meiner Mitgliedschaft bei PS Plus viel häufiger wahrnehme als zu Beginn der damals neuen Konsolengeneration. Ich lade Playstation-Spiele herunter, benutze begeistert Video-on-Demand-Dienste und habe auch noch einen Steam-Account - die Vorteile einer Digitalisierung des Alltags sind auch an mir, einer einstigen Verpackungspuristin, nicht spurlos vorbeigezogen. Hübsche Steelbooks zu meinen Lieblingsspielen und heiß erwartete Blockbuster kaufe ich dennoch in haptischer Form. Ein Lösungsbuch habe ich mir hingegen lange nicht mehr zugelegt. Und das ist traurig, da mir deren Bedeutung erst jetzt während des Schreibens so richtig klar geworden ist.


Klarheit, Kunst und kindliche Begeisterung


Mein letztes Nachschlagewerk kaufte ich zu Rockstar's Action-Meilenstein GTA: San Andreas, welches am 26. Oktober des Jahres 2004 erschien. Das dazugehörige Buch habe ich ungefähr im gleichen Zeitpunkt, vielleicht einige Wochen später, in meinen Besitz gebracht. Ein Lösungsbuch zu einem Spiel, in dem es im Wesentlichen darum geht, stumpf auf Menschen zu schießen und mit dem Auto durch die Stadt zu donnern? So ein Quatsch, das kann doch jedes Kind!

Tatsächlich erachtete ich den Kauf eines Spielbegleiters (man merkt, wie ich verzweifelt nach Synonymen für "Lösungsbuch" suche) für GTA: SA als äußerst sinnvoll, eben weil ich vor zehn Jahren nicht über die Möglichkeit verfügte, im Internet nach den Fundorten aller Sammelgegenstände zu suchen. Denn damals hatte ich mir vorgenommen, das Spiel zu 100% durchzuspielen, was ich mit der Hilfe des Lösungsbuches tatsächlich auch geschafft habe: Ich wagte mich an sämtliche Monsterstunts, absolvierte alle Haupt- und Nebenmissionen, gewann jedes Autorennen und fand alle Sammelobjekte, ob Austern, Hufeisen, Schnappschüsse oder Graffitis. Gerade bei letzterer Errungenschaft fragte ich das Lösungsbuch nach Rat und kreuzte pingelig genau die kleinen Vorzeigebildchen der Fundorte mit einem Buntstift ab. Die grafische Gestaltung, welche dem Stil des im Spiel beigelegten Handbuches gleichkam, war jedoch nur nettes Beiwerk, hatte mich aber nicht in einen ästhetischen Rausch verfallen lassen. Hier ging es um reines, gebündeltes Wissen, welches dieses Buch wie eine Formelsammlung der Mathematik trocken präsentierte.

Anders verhielt es sich bei Final Fantasy: Die Lösungsbücher zu den Playstation2-Ablegern Final Fantasy X und Final Fantasy XII legte ich mir zunächst nur wegen des Informationsgehaltes zu. Wer die Serie kennt, weiß, dass Square Enix', respektive Squaresofts, Vorzeige-RPGs sich (zumindest vor der ,,Generation PS3") durch ihre Komplexität und Spieltiefe auszeichneten: Schwarze Bestia, Blitzball, Waffen des Solaris, Mob-Jagd, Schätze, Crafting und Ultimawaffen - mit diesen beiden Spielen hatte ich damals auf der PS2 aller Hand zu tun.


Das jeweilige Lösungsbuch war bei der Bewältigung dieser Herausforderungen eine große Hilfe und das wusste ich zu schätzen: Denn einige Jahre zuvor, als noch eine der vier Discs von Final Fantasy IX in meiner PS ONE rotierte, rannte ich jedes Mal, wenn ich in diesem Spiel nicht weiterkam, ins örtliche Elektronikgeschäft und suchte im Ausstellungsstück des offiziellen Spielbegleiters nach der richtigen Lösung. Ich muss wohl sehr ausdauernd gewesen sein, denn dies ereignete sich solange, bis ich Final Fantasy IX samt PS ONE verbannte und mir zur Jahrtausendwende endlich eine PS2 mit Final Fantasy X samt Lösungsbuch zum Geburtstag wünschte.

Die edlen Piggyback-Nachschlagewerke begleiteten mich sicher und verlässlich durch das Spiel: Sie waren Kompass, Karte und Enzyklopädie zugleich. Auch heute schaue ich ab und zu in diese Folianten, die neben zahlreichen Details und Infos auch mit wunderschönen, handgezeichneten Artworks gespickt sind: Charaktere, Waffen, Monster, Weltkarten - alles wurde stilgerecht abgebildet. Nicht selten verweilte ich auf einer Seite, um mich an den Bildern und detailreichen Beschreibungen zu ergötzen. Wenn ich mich durch die Seiten blättere, fühle ich mich sofort wieder nach Spira oder Ivalice zurückversetzt; Das ist ein Qualitätsmerkmal, welches die Final-Fantasy-Lösungsbücher auszeichnet und beispielsweise vom oben Genannten abgrenzt.

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Die Dienste eines Spielberaters nahm ich übrigens zum ersten Mal für Pokémon Gold und Silber in Anspruch. Das hatte, anders als bei Final Fantasy und GTA, nicht etwa einen rationalen Gedanken zur Grundlage, sondern geschah aus reiner Faszination zum Franchise. Mein damaliges Grundschul-Ich jagte und sammelte nämlich Pokémon-Merch wie es sich für einen Rollenspielfan gehört: Plüschtiere, Sticker samt Sammelalbum, die Karten des Pokémon Traiding Card Games oder Plastik-Pokébälle, in denen sich neben Trash-Süßigkeiten eine zufällige Pokémonfigur befand.

,,Der offizielle Nintendo Spielberater" zu meinen absoluten Lieblingsspielen auf dem Game Boy nahm in dieser Sammlung natürlich einen Ehrenplatz ein. Es ging also weniger um die darin vermittelte Information (ich war ein echter Pokémon-Crack und Meisterin meines Fachs) als um die Freude an der Serie per se. Es ging mir um die Illustrationen, die Aufmachung; Es ging um das Gefühl des Tiefer-Eintauchens: Das Lösungsbuch bot noch mehr von Pokémon, noch mehr Bildchen meiner geliebten Taschenmonster und noch mehr Impressionen dieser liebevoll gestalteten Welt.

 

Die Magie des Lösungsbuches


Das Artbook als ästhetisch erweiterte (und daher teurere) Form des Lösungsbuches verzichtet hingegen zumeist ganz auf den informierenden Gehalt und dient somit vollständig der reinen Ergötzung am Medium. Dass das Angebot von Artbooks, Tagebüchern oder Enzyklopädien, die nicht selten einer ebenfalls zur Gewohnheit gewordenen Collectors-Edtion beilegen, in den letzten Jahren so immens gestiegen ist, ist unter anderem dem Aufstieg des Internets als universalen Informationshort geschuldet. Logisch, denn wenn Information in abgedruckter Form überflüssig geworden ist, lässt man sie weg. Kunst hingegen ist gefragt wie eh und je.



Auch beim Kauf eines Lösungsbuches geht es nur noch sekundär darum, Informationen über Strategie, Taktik und Sammelbares zu bekommen. In erster Linie ist die ästhetische Magie, die Aura des Buches, eine jene bestimmende Kraft, welche vom Fan des jeweiligen Games Besitz ergreift, ihn hypnotisiert und somit zum Kauf bewegt. Lösungsbücher sind keineswegs überflüssig oder sinnlos solange, sie die Freude am Spiel durch Detailreichtum und Ästhetik verlängern: Indem sie den Spieler als Symbiose von Kunst und Information etwas tiefer und vor allem geordneter in die jeweilige Materie eintauchen lassen, haben sie schon über das allumfassende aber chaotische Internet gesiegt. Das Lösungsbuch ist sinnlich wahrnehmbar: In einem stilvoll gestalteten Lösungsbuch zu blättern, sich Zeit zu nehmen und darin einzutauchen, bedeutet meistens, auch in die Welt des jeweiligen Spiels einzutauchen. Damals als ich die langen Monsterlisten des Lösungsbuches zu Final Fantasy XII studierte oder die scheinbar handgezeichneten Karten der verwinkelten Höhlen und riesigen Wüsten nach seltenen Items absuchte, war ich ein Teil dieser Welt, eben weil das Buch durch seine Ästhetik so wundervoll mit dem eigentlichen Spiel harmonisierte. Während ich spielte, lag das Lösungsbuch auf meinen Schoß; Es gehörte zum Spiel und das Spiel gehörte zum Buch. Beim Kauf eines Lösungsbuches geht es um die Erweiterung der Spielerfahrung durch dieses Medium. Sie sind ein Zusatz, welcher tiefgreifendes Wissen über Fakten, Geheimnisse, Items, Gegner, Strategie und Taktik bündelt und obendrein (im besten Fall) kunstvoll präsentiert. Dabei stechen nicht nur die Lösungsbücher zu Final Fantasy hervor, auch beispielsweise Dark Souls II und Assassin's Creed IV bieten Begleitlektüre, die nicht nur kunstvoll gestaltet ist, sondern auch stilvoll über Details, Handlung, Personen, Orte und Objekte informieren. Letzteres bietet sogar ein Glossar der Piraterie, welches über die vielschichtige Piratensprache aufklärt. Arr!

Kunst und ein tieferer Einblick in die Welt des Spiels - das sind die zwei Indikatoren, die das Lösungsbuch auch in Zeiten des Web 2.0 in seinem Dasein berechtigen. Klickt man sich durch die Rezensionen verschiedenster Lösungsbücher zu aktuellen Titeln, findet man daher nicht selten die bezeichnende Floskel: ,,Für Fans ein Muss!".



Samstag, 9. August 2014

Assassin's Creed: Eine unendliche Geschichte




Erinnert ihr euch noch an den 15. November 2007?  Nun, wenn ihr da nicht gerade Geburtstag oder einen Autounfall hattet, dann tappt ihr da wahrscheinlich im Dunkeln. Ich erinnere mich an diesen Tag, obwohl mir nichts der eben genannten Schrecklichkeiten wiederfahren ist. Ich erinnere mich an diesen Tag, weil er die Geburtsstunde einer schier unsterblichen Ikone markierte. Dabei begann er wie jeder andere: Höchstwahrscheinlich klemmte ich in meinem Pult in der Schule und versuchte mich vom stressigen Unterricht abzulenken, indem ich in fremden Welten schwelgte.
Damals hatte ich mir gerade die Playstation 3 für sage und schreibe 599 Euro zugelegt. Ich bereue, damals wie auch heute, nichts. Na gut, vielleicht war ich etwas enttäuscht vom anfänglich sperrlichen Spieleangebot. Lediglich Fifa 08 hielt tapfer und einsam den Platz im Regal, den ich für eine zukünftige PS3-Spielesammlung vorgesehen hatte. Kein Wunder also, dass ich Printmagazine und ein damals viel kleineres Online-Angebot ergiebig verfolgte, um mich über die nächsten Next-Gen-Titel hinreichend zu informieren. Screenshots und Teaser eines Spieles fixten mich immer besonders an. Dieses Spiel hieß Assassin's Creed. Es erschien am 15. November 2007.

Heute heißt dieses Spiel immer noch so und steht inmitten einer großen Gefolgschaft von Namensvettern in meinem vollen Spieleregal. Denn wie uns vielleicht bekannt ist, schreiben wir nun das Jahr 2014 und da haben wirs, zack! Das Spiel, auf das wir alle unruhig und fingernägelkauend gewartet haben, wurde endlich mehr oder weniger elegant angekündigt: Assassin's Creed Rogue. Spielerinnen und Spieler der ganzen Welt (nun, vielleicht nicht der ganzen Welt, aber zumindest die aus der westlichen Hemisphäre) liegen sich heulend in den Armen; Fanfaren, Flaggen und Jubelgesänge in den muffigen Zimmern eines jeden AC-Hardcore-Anbeters feiern den nunmehr ... ähm ... achten Teil der erfolgreichen Meuchelmörderserie von Ubisoft. 


  1. Assassin's Creed: 15. November 2007
  2. Assassin's Creed 2: 19. November 2009
  3. Assassin's Creed Brotherhood: 17. März 2011
  4. Assassin's Creed Revelations: 1. Dezember 2011
  5. Assassin's Creed 3: 1. November 2012
  6. Assassin's Creed 4 Black Flag: 29. November 2013
  7. Assassin's Creed Unity: 28. Oktober 2014
  8. Assassin's Creed Rogue 11. November 2014

Acht Teile. Acht! Seid ihr eigentlich bescheuert? Dabei habe ich nicht einmal eure halbherzigen Ableger für die Handhelds mitgezählt...
Vor sieben Jahren kam der erste Auswurf eures Quantums. Das macht acht Spiele in sieben Jahren! Square Enix' feinstes Ross im Stall, Final Fantasy, umfasst ohne Nebenprodukte und Handheld-Wischwasch bald 15 Hauptteile, ist aber im Grunde so alt wie die wiedervereinigte Bundesrepublik. Die sind Zeit-/Leistungstechnisch fein raus. Aber Ubisoft, du geiles Arbeitstier, schmeißt deine Spiele wie die Kamellen vom Karnevalskarren in die mittlerweile erschlafften Arme des gemeinen Volkes. Ubisoft, du erzcalvinistischer Bauer melkst nur noch Luft aus dem Euter deiner liebsten und teuersten Kuh!


Der Morgenschiss kommt ganz gewiss und wenn er auch am Abend ist

Als Soziologiestudentin habe ich als erstes gelernt: Alles, Gesellschaft, Politik und Kultur, verändern sich, sind ständig im Wandel. Schuld daran, sind wir (mehr oder weniger behaarten) zweibeinigen Großhirne, die sich in alle Belange des Lebens einmischen, diese umbauen und wieder neu zusammenfügen. Verständlich also, dass man sich über jede einzelne Konstante im Leben freut: Der tägliche Gang auf die Morgentoilette, die abendliche Tagesschau und Assassin's Creed am Ende eines jeden Jahres.
Jeden Tag fünf Protionen Obst und Gemüse; jeden Sonntag über Montag meckern; am Ende des Monats vor dem Geldautomaten der örtlichen Bank campieren; im November eines jeden Jahres auf das Päckchen mit dem Inhalt Assassin's Creed X warten - der Mensch ist ein Gewohnheitstier, welches sich im rasanten Wandel der Welt feste Fundamente auf dem bröseligen Boden schaffen muss. Das hat Ubisoft auch kapiert und will nur helfen, ist doch klar. Deshalb ist es auch nicht verwerflich, wenn wir armen, diffusen Drifter pünktlich nach der Ankündigung fleißig den Vorbesteller-Button drücken, um uns dieses Fundament auch zukünftig zu sichern. Und wenn wir nicht ohnehin schon gesegnet sind, werden wir dafür noch belohnt, mit einzigartigem Zusatzinhalten! Dabei sind Vorbestellerboni in etwa so sinnvoll wie die berühmte Pferderüstung aus Oblivion. Das lohnt sich! Das macht Spaß! Das gibt Grund zum Anlass, das Spiel so lange zu zocken, bis die Day-One(-you're-so-special-'cause-it's-day-one)-Edition des Nachfolgers im Postkasten liegt.


Eine unendlich verworrene Geschichte

Die Story von Assassin's Creed habe ich wirklich einmal als interessant empfunden. Das Ganze begann als spannend daherkommende Verschwörungsstory im Science-Fiction-Mittelalter-Mix wurde aber durch die absurde Vielzahl der Teile wie eine Hubbabubba-Kaugummi-Rolle aus den Neunzigern langgezogen, in den ohnehin schon vollen Mund gestopft und mit einem großen Würgen in Form eines matschigen, verformten Klumpens wieder in die Welt entlassen. Glückwunsch Ubisoft und vielen Dank für den Haufen verklumpter Story-Grütze, die ihr uns Spielern serviert. Das lohnt sich! Das macht Spaß! Das gibt Grund zum Anlass, sich so lange darüber den Kopf zu zerbrechen, bis die ultramega Revelation-Assassination Collectors-Edition des Nachfolgers im Postkasten liegt (inklusive Zusatzinhalte in Form einer hübschen, wohlgemerkt digitalen Robe für den immerbärtigen Hauptcharakter).

...

Achso, du hattest übrigens eine tolle Kindheit und Jugend wenn du dich an das hier erinnerst:




oder das hier:



oder das, um mal wieder zum Urthema ,,Videospiele" zurückzukommen:



... ,,toll" meint hier übrigens, dass deine Generation sich durch ikonisches, aber mittlerweile ausgestorbenes Unterhaltungswerkzeug von anderen abgrenzt und deshalb einzigartig ist. Ich als Kind der Neunziger werde meinem eigenen Kind deshalb die fast bröseligen CD-Hüllen von Tony Hawk's Pro Skater, Grandia, Legacy of Kain und Legend of Dragoon höhnisch unter die kleine Nase reiben und gleichzeitig wehleidig proklamieren, dass es diese Erfahrung, die ich in seinem Alter machte, auf Grund des Wandels von Technik und Moral, wohl niemals genau so teilen kann. Schade. Beruhigender ist der Gedanke, dass mir mein Kind im Gegenzug ein Exemplar von Assassin's Creed 15: Future Assassins unter die Nase reibt und sagt: ,,Guck mal Mama, das kennst du doch auch, ist das nicht toll?".



Mittwoch, 11. Juni 2014

Nintendo hat die E3 gewonnen

Nintendo hat die diesjährige E3 gewonnen. Dieses Fazit möchte ich schon am Anfang dieses kleinen Kommentars vorwegnehmen. Warum? Weil sie es auf dem gestrigen Digital Event jedem treuen Fan und jedem Skeptiker gezeigt haben. Mir selbst haben sie es nicht nur gezeigt, sie haben mir die Socken von den Füßen gerissen; Nintendo hat verdammt nochmal bewiesen, dass es keine große Show braucht, um das zu zeigen, was jeder Videospielfan letztendlich sehen will: Jede Menge Spiele. Handfest. Zum greifen nah.

Rekapitulieren wir die vorherigen Pressekonferenzen der vermeindlich größeren Tiger im Spiele-Jungel:


Den Anfang machte Microsoft mit Call of Duty: Advanced Warfare. Und das sah toll aus, keine Frage: Krach, Schießereien, Explosionen, Emotionen, Call of Duty. Same procedure as every year.


Gezeigt wurde außerdem: 

Forza Horizon 2
Forza Motorsport 5
Assassin's Creed Unity
Dragon Age Inqusition
Sunset Overdrive
Halo 5
u.a.

Gähn.
 
Überraschungen? 

Gab es, und zwar mit dem Nachfolger eines Titels, der mit erst vor Kurzem dank PS+ die Freizeit versüßte: Die Rede ist von Tomb Raider. So wurde ganz unvermittelt der Trailer zu "Rise of the Tomb Raider" präsentiert, der eine erwachsenere Lara zeigt, die anscheinend auf Grund jüngster Eregnisse psychisch nicht mehr ganz so stabil daherkommt. Erscheinen soll das Action-Adventure aber erst im Winter 2015.

Ansonsten war ich sehr ernüchtert von dieser PK.


Und mein einstiger Favorit für den Award "E3-König" Sony?

Die zeigten:

Destiny
Ratchet and Clank
Ein DLC zu Infamous: Second Son
den Indie-Titel Entwinded, der gleich nach der PK erworben werden konnte
Bloodborne, ein neues Action-RPG der ,,Souls"-Schöpfer (zu dem aber nur ein nichtssagender Trailer gezeigt wurde)

Gähn. 

Gefallen hatte mir hingegen der neue Trailer zu The Order 1886, Batman Arkham Knight sowie das Bildmaterial zu Uncharted 4.  Alle drei sind grafisch atemberaubend, kratzen am Rande der visuell wahrnehmbaren Realität und - hier weitere Superlative einfügen - .
Dass GTAV nun auch für die neue Generation herausgebracht wird, überraschte mich nicht, aber lässt mich ernsthaft überlegen, das Ding später nochmals für die PS4 zu besorgen. Die potenzielle Grafikpracht sowie mögliche Zusatzinhalte stoßen da ihre verführerischen Lockstoffe aus.
Totzdem konnte ich dem Ganzen nicht mehr als mit einem Nicken mit anschließendem Schmunzeln entgegenwirken. Das habe ich alles erwartet und das ist auch alles gut.

Überraschungen? Gab es! Und zwar zunächst mit Little Big Planet 3, womit ich im Vorfeld nicht rechnete. Ich freue mich riesig auf das Spiel, doch die größten Hochgefühle sind zwei Tage nach der Ankündigung wieder verschwunden. Im nachhinein hätte ich mir lieber eine neue Marke der Kreativschmiede Media Molecule gewünscht, die mit Tearaway gezeigt haben, dass es nicht unbedingt den putzigen Sackboy braucht, um ein Feuerwerk des Charmes und der schöpferischen Finesse zu entzünden. Den großen Grafikunterschied zum PS3-Vorgänger muss man im aktuellen PS4-Trailer mit der Lupe suchen, Neuerungen sind mit den drei zusätzlichen Spezialcharakteren vorhanden, hauen aber niemanden aus dem Drehstuhl.
Eine weitere Überraschung war No Man's Sky, ein Science Fiction-Spiel von einem mir unbekannten Entwicklerstudio namens Hello Games. Rauschiffe! Dinosaurier! Ich bin gespannt.

Diese PK langweilte mich zumindest nicht. Dennoch blieben die großen Überraschungen aus, die ich im Vorfeld so sehr ersehnte. Sicher, eine PS4 werde ich mir irgendwann zulegen, doch der Zeitpunkt des Geschehens liegt weiterhin in einer unbestimmten Ferne.


Nintendo hat indes die ersten Handgriffe getätigt, um sich aus den Trümmern ihrer eigenen Missplanung zu ziehen. Nach dem gestrigen Digital Event habe ich begeistert beschlossen: Endlich kann ich ruhigen Gewissens für eine WiiU sparen und mich auf Xenoblade Chronicles X, Bayonetta 2, das neue Zelda, Yoshi's Wooly World, Captain Toad: Treasure Tracker sowie auf weitere neue Abenteuer mit dem wohlbekannten Helden aus dem Hause Nintendo freuen!

Ist es nicht paradox? Wir prangern die schier ungehemmte Markenausschlatung der großen westlichen Vertreter der Branche an: Wir regen uns Jahr für Jahr über Call of Duty auf; Wir verdrehen bei der Ankündigung eines neuen Assassins Creed mittlerweile die Augen, anstatt sie weit aufzureißen; Wir wollen neue Marken, neue IP's und neue Helden. Wir wollen das, was Nintendo überhaupt nicht macht!
Stattdessen machen wir uns bei der (wohlgemerkt) längst überfälligen Ankündigung eines neuen The Legend of Zelda für die WiiU vor Aufregung in die Hosen; Wir heulen vor Freude, wenn das Pokemon-Thema ertönt, welches schon vor fünfzehn Jahren aus unseren Game Boy gequetscht wurde; Wir zucken mit Fingern und Fäusten, wenn Mario, Yoshi, Peach, Toad und Donkey Kong über den Bildschirm hüpfen, um sich im Trailer des nunmehr vierten Teils der Super Smash Bros.-Reihe die ikonischen Köpfe einschlagen; ... Ja es ist wohl paradox. Ist es der hauseigene Charme? Ist es das immer-fröhliche und niemals-düstere Flair der Nintendo-Games? Ich gebe mich mit der Erklärung zufrieden: Nintendo wird gefeiert, weil Nintendo einfach (wieder) Nintendo ist.

Freitag, 24. Januar 2014

Spielmechaniken, auf die ich in der neuen Konsolengeneration verzichten kann #2

Verfolgungsmissionen
 


Dieser Punkt ist besonders an die Macher von Assassin's Creed gerichtet und ich muss mich zusammenreißen, keine ausufernde Hasstirade vom Zaun zu brechen.Verfolgungsmissionen hängen uns Assassin's Creed-Spieler seit dem ersten Teil am Rockzipfel und haben im offiziellen 4. Teil der Serie zumindest meine Nervenstränge exorbitant überstrapaziert (ja doch diese Übertreibung ist durchaus angebracht). AC IV: Black Flag ist ein tolles Spiel und für viele das Beste dieser Reihe. Dem kann ich durchaus zustimmen: Wie viel und wie gerne habe ich Zeit auf hoher See verbracht? Die Shantys, die Schiffskämpfe und der ständige Drang, Treibgut und Schiffbrüchige zu „looten“; das Sammeln von Geld und Materialien, um die „Jackdaw“ immer weiter aufzurüsten – diese beinahe diablo-eske Sucht-Maschinerie hat mich immer wieder aufs Meer getrieben und das Land vergessen lassen.

Das Land. Landmissionen. Verfolgungsmissionen. Ich habe sie leider nicht gezählt und doch kommt es mir retrospektiv so vor, als wäre jede zweite Story-Landmission eine solche gewesen. Dabei ist nicht primär die beschämend hohe Anzahl dieser Missionen, der Faktor, der mich so wütend macht. Es ist die Art, WIE Verfolgungsmissionen konzipiert sind:

  • Edwards Verfolgungsziele, meistens ranghohe Offiziere, beschützt in einer Soldatentraube, haben auf offener Straße scheinbar so wichtige und geheime Templerabsichten zu besprechen, dass sie stets darauf erpicht sind, die Bewegungsgeschwindigkeit ihrer Füße auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Vielleicht handelt es sich um eine geschickte Tarnung der Templer? Einen Einkaufsbummel vielleicht?

  • Nun schleicht der grazile Edward diesen Typen hinterher, versteckt sich hier und da in einem Busch oder in einer Menschengruppe, hüpft in einen Heuhaufen und... halt! Die Ziele haben sich umgedreht und starren in die Richtung des Assassinen. Haben sie ihn gesehen? Unmöglich! Was ist es bloß, was die Soldaten immer und immer wieder an der gleichen Stelle erstarren lässt? Vielleicht ist es die Absicht einer höheren Macht: Wenn Edward scheitert und entdeckt wird, weiß er beim nächsten Versuch genau, an welcher Stelle, die Ziele misstrauisch werden und sich umdrehen. Wie unkompliziert praktisch. 

  • Edward hat genug vom pieksenden Büschen und stinkenden Passanten. Er ist ein Assassine und will hoch hinaus. Auf den Dächern Nassaus ist er auf der sicheren Seite und kann sich den argwöhnischen Blicken seiner Ziele voll und ganz entziehen. Weil er von oben alles im Blick hat und aus den Augen verlorene Ziele schnell wieder findet, kann er sich darauf konzentrieren, unbemerkt Mauern zu erklimmen und die Dächer so leise wie möglich zu überqueren, um nicht möglicherweise mit Gewähren ausgestatteten Spähern zum Opfer zu fallen. Diese werden einfach leise ausgeschaltet und... Moment! Wo kommt dieser Countdown oben im Himmel her? Zwanzig Sekunden... was? Welche Magie ist hier im Spiel?!


Jede einzelne Verfolgungsmission läuft nach diesem Schema ab. In beinahe jeder Story-Landmission sind berüchtigte Elemente enthalten. Assassin's Creed IV: Black Flag ist auf ironische Weise vergleichbar mit einem Piratenschiff: Der König auf hoher See, aber zurückgeblieben und ungefährlich auf fester Landmasse.

Als wären langweilige Insel-Verfolgungsjagden nicht genug, scheinen Schiffsverfolgungsmissionen wohl die Spitze des Eisberges zu sein. Bei denen tritt der gute Edward bei seiner „Jackdaw“ wie bei einem Sportwagen aufs Gaspedal, um dem fliehenden Feind sofort hinterherzujagen. Um das Ganze etwas aufregender zu gestalten sowie um die Skills des Spielers im flotten Schiffs-handling zu testen, lauern explosive Fässer und kantige Felsen auf der ohnehin schon schmalen Fahrt-Route. Dies hat mir jedoch (an dieser Stelle keineswegs ironisch anmutend) überraschend Spaß bereitet. Zumindest hatte ich viel mehr Spaß als bei DIESEN VERFLUCHTEN... naja ihr wisst schon.

Die Entwickler haben wohl ihr ganzes Herzblut in den indischen Ozean geschüttet und die für das Assassins-Creed-Feeling scheinbar unerlässlichen Verfolge-den -und Belausche-das-Missionen recycelt und mal fünf genommen. Ein reines Piratenspiel namens „Black Flag“ hätte sich ohne den Namenszusatz natürlich nicht annähernd so gut verkauft wie ein Game aus der Riege einer überaus beliebten (und gut verkauften) Spielreihe. Schade, traurig und leider wahr. An der Stelle, wo ich gerade dabei bin, ein ganz anderes Fass zu öffnen, folgt am Ende doch wieder ein kleines Appell:

Liebes Ubisoft-Montreal, wenn ihr uns Ende Oktober/ Anfang November 2014 mit einem neuen Assassin's Creed überrascht, könnt ihr uns ja den Gefallen tun, hier und da am Missionsdesign zu schrauben. Mit der Möglichkeit, Story-Missionen bewerten zu können, habt ihr aber sicher schon an die Zukunft gedacht und seid gerade dabei, ein „AC“ zu konzipieren, was nicht nur in einem gänzlich anderen Setting (feudales Japan bitte) spielt, sondern sich auch in Ablauf und Mechanik von seinen Vorgängern abzugrenzen wagt. Klar besagte Verfolgungen und Obvervationen sind in diesem Universum nicht wegzudenken. Aber wenn ich im feudalen Japan eventuell mit einem Ninja-Assassin die Dächer erobere und in den Straßen herumschleiche, wünsche ich mir dabei etwas mehr Abwechslung. Ubisoft go!

Circa bis zur E3 bin ich optimistisch.

Dienstag, 21. Januar 2014

Spielmechaniken, auf die ich in der neuen Konsolengeneration verzichten kann #1

Minispiele


Ich bin ein eher besonnener Mensch, den nur einige wenige Dinge auf die nächstgelegene Palme bringen: Mario Kart, Vanille auf Final Fantasy 13 und Minispiele.
Minispiele haben die würdige Aufgabe, Games abwechslungsreicher zu gestalten, indem sie uns Spieler neben der fest implementierten Spielmechanik des jeweiligen Haupt-Games auf andere Weise fordern. Gut, es gibt zwei unterschiedliche Arten von Minigames: Die, die man freiwillig absolvieren kann, wie Bowling oder Pool in GTA und die, die für das Weiterkommen unabdingbar sind, wie zum Beispiel fummeliges Schlösserknacken oder das Hacking, das meistens in nervraubenden Puzzle-Spielchen umgesetzt wird.

Zum Einen wäre da BioShock: Ich komme gerade so mit dem Leben davon. An meiner Rohrzange klebt die rote Lebensessenz einiger Dutzend verrückter Splicer, die noch vor zwei Minuten versuchten, mir die Haut von den Rippen zu reißen. Bloß schnell weg aus diesem, vom Kampf gezeichneten Areal; Bloß schnell durch die Tür in den nächsten Raum, wo ich mir neue Upgrades am Verkaufsautomaten kaufen kann, um mich anschließend in den nächsten Kampf zu stürzen. Mein Herz pumpt das Adrenalin immer noch durch den Körper. Sollen sie doch kommen.



Die Tür zum nächsten Raum ist verschlossen und die einzige und evidente Möglichkeit diese zu öffnen, besteht darin, einen Schlüssel zu benutzen eine hellblaue Flüssigkeit in einem angegebenen Zeitfenster mittels verschiebbarer Rohre von A nach B zu befördern. Toll. Und weil nach diesem Kampf, der sämtliche Stellen meines Shirts mit Schweißflecken brandmarkte, GENAU so eine Spielerei in diesem Moment das Richtige ist, bin ich natürlich so hochmotiviert, dass ich die gesamte Prozedur in einem Rutsch durchziehe. Nope.


Das Hacking in BioShock ist nur ein Beispiel für nervenstrapazierendes Minigespiele: Deus Ex: Human Revolution, Mass Effect 1 + 2, Fallout 3, Alpha Protocol, ...
Jüngste Auseinandersetzungen mit äußerst fiesen Computer-hacking-Spielchen (inklusive Rechnen) in Assassin's Creed IV: Black Flag gaben mir den Rest. Ich will doch nur Schiff fahren und Schätze sammeln. Warum Ubisoft, warum muss ich in diesem Moment meinen Freibeuter-Pistolengurt an den Nagel hängen und in eurer pseudowitzigen Montreal-Nachbildung versauern? Solche Minispiele ketten mich fest und berauben mich jeglicher Spielfreude. Schlimmer noch: Sie zwingen mich Dinge zu tun, die ich nicht tun will. Sklaverei!


AC IV: nur für Hartgesottene gänzlich ohne Krakeelen lösbar


Ein Appell: Liebe Entwickler von Deus Ex: Human Revolution, Mass Effect, BioShock und Assassin's Creed IV, Ich möchte mich zunächst bedanken. Danke für diese wunderbaren Welten, die ihr erschaffen und uns Spieler eröffnet habt. Die Unterwasserstadt Rapture, der indische Ozean, fremden Planeten und von außerirdischen Völkern bewohnte Städte, das Cyberpunk-Detroit und düstere, dystopische Areale, … diese Orte möchte ich mit all meinen Sinnen aufsaugen. Dort möchte ich eintauchen. Ein im Spielverlauf fest eingebautes Minigame funktioniert hingegen wie ein eiserner Haken, der mich am Kragen packt und mit einem kräftigen Ruck zurück an die karge Oberfläche der Realität zieht - ein Selbstzerstörungsmechanismus also, implementiert im eigentlichen Spiel. Lasst das nicht zu, liebe Entwickler. Überlasst destruktive Aufgaben lieber bimmelnden Smartphones und jaulenden Staubsaugern.

Samstag, 28. Dezember 2013

Meine persönlichen Spiele-Highlights 2013


Bioshock Infinite












Diese atemberaubende Stadt in den Wolken, die so stimmig und harmonisch ist, dass sie dich mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen zu einem völlig perplexen Klumpen menschlichen Daseins erstarren lässt und dir gleichzeitig das Gefühl gibt, nichts, aber auch absolut nichts davon missen zu wollen. Diese lebendigen Charaktere, Elizabeth, Booker und Comstock, werden wohl immer in unserem Gedächtnis bleiben; Auch wenn wir sie nur zehn Stunden kennen durften, haben sie sich in unsere Köpfe und Herzen gebrandt und eine Wunde hinterlassen, die auch nach dem Ende Signale an unser völlig verwirrtes Gehirn sendet. Dieses verdammte Ende eines vollständig von der Realität abgehobenen Trips durch eine Geschichte rundum Schuld, Vergebung, Macht und Unendlichkeit verpackt in eine mehr oder minder konsequente, kritische Auslegung amerikanischer Geschichte – Dieses Ende ist ... nicht in ein einziges Wort zu fassen, das auch nur ansatzweise beschreibt, welchen Impact, welche nachhaltigen Auswirkungen es nicht nur auf uns Spieler selbst, sondern auf die gesamte Spielkultur hat.


Pokemon X/Y
 

 









Kaum zu glauben, aber ich habe nach so vielen Jahren immer noch genau den gleichen Spaß an Pokemon wie mein achtjähriges Ich. Das liegt nicht zu Letzt an der Entscheidung des Entwicklers GameFreak, massenhaft Pokemon der alten Generation ins hohe Gras zu holen. In diesem Spiel habe ich mich wieder heimisch gefühlt, während ich dachte, dass Pokemon Schwarz/ Weiß mit zu viel Fremden im allzu Vertrauten der Gipfel einer Alles-neu-Philosophie ist, und mir damit einen deftigen Kulturschock verpassen will. Ich habe die ein oder andere Nostalgie-Träne vergossen, als mein Glumanda zum mächtigen Glurak herangewachsen ist oder einfach nur als vertraute Klänge und Motive aus vergangenen Tagen ertönten. Auch wenn ich immer noch die Komplexität und taktische Tiefe in den Kämpfen vermisse (man wie cool wäre ein Hardcore- Pokemon, das mal über das übliche 4-Attacken-Schema hinaus geht?), sind die neusten Editionen ein wundervoller Langzeitmotivator für den 3DS; Pokemon X/Y ist die perfekte Symbiose zwischen klassischen Elementen und modernen Features, der Macht des Internets sei Dank; Es ist perfekt für all diejenigen, die einen gemütlichen Kneipenabend mit den Worten "weißt du noch, damals in den 90ern?" beginnen, und vor allen Dingen ist Pokemon X/Y ist der/die/das ->hier cooles lateinisches Wort einfügen<- für eine Renaissance der Kindheit. Amen.


Dark Souls












Ja ja Dark Souls hat schon zwei Jährchen auf den Buckel und ich schäme mich immer noch dafür das Action-RPG so lange ignoriert zu haben, bis ich es mir im Sommer diesen Jahres doch zu Gemüte führte. Bei der Lanze des Ornstein – das war eine verdammt gute Entscheidung!
Dabei habe ich doch vorher so gezaudert und mir mir selbst gerungen: "Ist das nicht das Spiel, von dem alle sagen, es sei so verdammt schwer und frustrierend? Werde ich als ungeduldiger Mensch, die Kraft und den Willen haben, Abschnitte, Gegner und Bossgegner immer und immer wieder anzugehen? Da mach ich mir doch in die Hosen!"
Ja... ich habe mir in die Hosen gemacht. Und wie. Das besondere an Dark Souls ist nun, dass es dich mit deinen vollgemachten Hosen trotzdem weiterrennen lässt. DU WILLST ES UNBEDINGT! Es gab noch kein anderes Spiel, bei dem ich nach dem 10. mal Scheitern bei einem Bosskampf Abends im Bett überlege, nein, mir meinen Kopf darüber zerbreche, wie und mit welcher Waffe ich das Vieh endlich eines Besseren belehren kann, bevor der "You died" Schriftzug zum X-ten mal auf meinem Bildschirm erscheint. Das Gefühl des Erfolges, wenn das Boss-Doppelteam Ornstein und Smough nach ewigem Aufleveln und Suchen nach Seelen endlich bezwungen ist, ist unbeschreiblich. Bei diesem Spiel musst du dich bemühen. Nichts wird dir erklärt und machst du einen Fehler, wirst du gnadenlos bestraft. Aber das, was dir Dark Souls für deine Mühen gibt, ist jeglichen vergossenen Tropfen Blut und Schweiß alle mal wert.


GTA 5

Der wohl umstrittenste Charakter dieser Konsolengeneration, Folterei, jede Menge Schimpfworte, Drogentrips und Hipster-Massaker; Gewalt, Sex und Skandale. Der amerikanische Albtraum hat sich in DAS Spiel des Jahres 2013 eingeschlichen und unser aller Köpfe gebrandmarkt. Ja sogar Nichtspielern und großen Entertainern des deutschen Fernsehens hat GTAV, ob mit positiv oder negativ konnotierten medialen Sirenengesang, seinen Stempel aufgedrückt. Viel Tamtam um eines der wahrscheinlich besten Spiele aller Zeiten. Aber, was macht dieses Spiel für mich so interessant? 

Nun, die Story der drei Hauptcharaktere hat mich nicht im geringsten mitgerissen oder emotional ergriffen: Die Intentionen und Geschichten der Drei, vor allem die des CJ-Verschnitts Franklin, waren mir schnurzegal. Einige Szenen und vor allem Maniac Trevor haben lediglich hier und da geschockt, aber mich nie fingernagelkauend und haareraufend in die Lehne meines Drehstuhls gedrückt. Das war aber noch nie bei GTA der Fall und das ist auch gut so, denn dafür sind andere Spiele zuständig. Die Quintessenz eines jeden GTA ist das Spielen. Ich will spielen mit und in dieser Welt, in der Michaels Flip-Flops beim Gehen an dessen Füße klatschen; in dieser Welt, in der ich unter den Fittichen einer Sekte freiwillig 10 Meilen durch die Wüste laufe; In dieser Welt, in der die Bewohner scheinbar ein Eigenleben führen und mir den Finger zeigen, wenn ich ihnen zu lange auf die Pelle rücke... darin verspüre ich so eine immense Spiel -und Entdeckerfreude, wie sie zu Letzt nur GTA San Andreas in mir aufkommen ließ. Keine Top-Liste des Jahres 2013 ohne GTAV. Das steht so fest, wie die VERDAMMTEN BÄUME, WO ICH IMMER MIT DEM HELICOPTER.....

Sonntag, 18. August 2013

Handbuch

Ich bin eine erfahrene Gamerin und Knöpfedrückerin. Trotzdem schaue ich IMMER zuerst in das Handbuch, bevor meine Konsole eine neue Videospiel-Errungenschaft zum laufen bringt. Das ist ein kleiner Ritus, der (auch mir selbst) im ersten Augenblick viel zu banal erscheint, um überhaupt nur ansatzweise erklärt zu werden. Dennoch, je länger ich über diese kleinen Beihefte nachdenke und je länger ich mit diesem Blogeintrag beschäftigt bin, wird mir klar, wie wichtig diese vermeidlich banale Komponente doch ist.


Ich beginne mit meinen schönsten Handbucherinnerungen: Da wären zum einen die tollen Charakterkurzportraits in den Final-Fantasy-Beiheften, die ich mit Freude immer wieder durchlaß: ,,Ist es überhaupt möglich, die eigene Existenz zu beweisen...?“. Na zu wem gehört dieses nette Zitat? Wie oft habe ich mir die (Spiel)Werbeanzeigen im GTA San Andreas Büchlein angeschaut und mich köstlich darüber amüsiert? ,,Drive Thru Confessions: Beichten rund um die Uhr - Park n' Pray“ - herrlich. Zurückblickend ist wohl das Handbuch zu GTA: SA das von mir am meistens benutzte: Erst kürzlich suchte ich im Stile der alten Schule in den Listen der verschiedenen Radiosender nach Künstlern für eine San-Andreas-Playlist für meinen MP3-Player. Das Heftchen ist zwar schon mächtig abgegrabbelt, aber wenn ich es aufschlage, steigt mir immer noch ein vertrauter Geruch entgegen, und mit ihm, Erinnerungen an längst vergangene Zock-Zeiten, in denen ich Baggypants trug und ein Poster von 50 Cent aufhing.
Zu guter Letzt wären da noch die kleinen Comics in den Handbüchern von Metal Gear Solid. Wird es je eine coolere Methode geben, dem Spieler einfachste Spielmechaniken nahezulegen? ,,Manchmal taucht der Feind völlig unerwartet auf. SNAP! Nutzen Sie die Natur zu ihrem Vorteil [...] Snake? Sie tragen ja gar keine Oberbekleidung! Nutzen Sie Tarnung, um mit ihrer Umwelt zu verschmelzen“.

Heute ist das klassische Handbuch bzw. die klassische Spielanleitung eine höchst gefährdete Gattung, die der Furcht unterliegt, endgültig auf den Friedhof längst überholter Videospielkomponenten und Videospielpraktiken verbannt zu werden. Auf diesem Friedhof ruht beispielsweise das gute alte Link-Kabel für den Game Boy oder die Praktik des Pustens in den Kartenschlitz eines disfunktionalen SNES-Spiels (was komischerweise immer half).
EA beispielsweise setzt schon seit einiger Zeit nicht mehr auf die Heftchen – wegen Umweltschutz in erster Linie, wobei ich eher auf das Pro der Kostenersparnisse tippe. Öffne ich die Hülle von Mass Effect 2 oder Battlefield 3, springt mir lediglich ein Zettel mit der Aufschrift ,,Online-Pass“ entgegen. Vielleicht noch ein Flyer, der für das nächste Medal of Honor wirbt. Aber weit und breit kein Handbuch...
Wie auch immer – ich vermisse die Dinger. Ja ernsthaft! Einige denken sich sicher: „Handbücher sind nur für Dummies“, oder: ,,ins Handbuch schau ich eh nie, da zocke ich lieber gleich los“. Aber für mich hat das klassische Handbuch, wie eingangs erwähnt, eine ganz andere Funktion, als die alleinige Bereitstellung von Steuerungs- und Gesundheitsinformationen.

Genau so wie das genüssliche Abziehen der Folie, das erste Herausnehmen sowie das erste Einlegen der Disc, ist auch das Handbuch ein wichtiger Bestandteil beim Ritus des Spielerwerbs! Genauer gesagt, ist es das Erschnuppern des frischen Duftes eines brandneuen Games. Und nicht nur das – Wie wundervoll ist das Durchfliegen der Seiten des Heftes, um die ersten kleinen Einblicke in das Spiel zu bekommen und diese dann mit allen Sinnen aufzusaugen? Ein Handbuch verleiht dem Spiel Gewicht: Ich halte etwas schweres in den Händen. Ich habe etwas erworben und nicht etwa eine halbgare, werberische Verpackungsleiche.

Unvergesslich: Die Metal-Gear-Comics

Der Ladebalken der Vorfreude, der nach der finalen Kaufentscheidung langsam beginnt, sich zu füllen und nach dem Entpacken des gewünschten Spiels seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht, wird durch den sinnlichen Umgang mit dem Handbuch nahe gen einhundert Prozent getrieben. Erwerben, entpacken, einlegen, betrachten, erschnuppern, erfühlen... Prozeduren und Rituale, die parallel zum eigentlichen Akt des Videospielens ablaufen, können nämlich so sinnlich sein wie jener Akt des Spielens selbst.
Zu diesen Ritualen gehört sicher nicht nur das thematisierte kleine Beiheft: Den physischen Erwerb des Spiels im klassischen Geschäft oder das weiter oben erwähnte ,,Entkleiden“ der Hülle zähle ich unweigerlich dazu. Deshalb stehe ich dem reinen Download eines Spiels nach wie vor skeptisch gegenüber: Ich sehe nichts, fühle nichts und halte nichts in den Händen. Stattdessen habe ich eine große Datengrütze auf der Konsole oder auf dem PC, zu der ich keine emotionale Beziehung aufbauen kann. Richtig verstanden: Ich baue eine Emotionale Beziehung zu meinem physisch erstandenen Spiel auf!

Erwerben, entkleiden, einlegen; Betrachten, erschnuppern, erfühlen... nun das klingt etwas off-topic und vielleicht etwas merkwürdig, wenn man erst ab diesem Absatz mit dem Lesen beginnt. Aber nein, ich habe keine Scheu, die Sache auf den Punkt zu bringen: Das Handbuch ist sexy.


Dienstag, 13. August 2013

Ein echter wahrer Nerd


Das ist ein sehr schwieriges und weitreichendes Thema - so weitreichend und schwierig wie die Definition des Terminus Nerd selbst. Trotzdem möchte ich den Versuch wagen, den Nerdbegriff zumindest für mich selbst zu erklären. Auf die Idee haben mich vor allem einige aktuelle subjektive Wahrnehmungen gebracht: Damals liefen die 14-jährigen in silbernen Fubu-Jeans herum, heute sind es alte Holzfäller Hemden und große Hornbrillen. Seit dem Kinoerfolg der ,,Avengers" trägt der moderne Mensch Comicshirts und gibt der Marvel-Facebook-Page ein ,,Like"; Seit dem TV-Erfolg von ,,The Big Bang Theory" dekoriert man die Küche mit Space Invaders-Aufklebern und interessiert sich plötzlich brennend für das Periodensystem der Elemente - trägt es gar auf seinem T-Shirt. Es lässt sich wohl diese eine Tatsache nicht verneinen: Der Nerd ist in Mode. Nichtsdestotrotz mag natürlich auch ich – nein, vergöttere ich ,,The Big Bang Theory" und ,,The Avengers"; ich stehe auf Space Invaders- Aufkleber und liebe Shirts, auf denen meine Helden gedruckt sind... Nein nein, ich will hier natürlich keinen Krieg zwischen dem meinerseits verhassten Mainstreambegriff und dem Verständnis von Individualität anfechten. Nagut, vielleicht spielt das am Ende doch eine gewisse Rolle, da zunächst danach gefragt werden muss, wie ein Nerd in der breiten Masse wahrgenommen wird.


Ein Nerd ist ein Sonderling, ein Streber, ein Langweiler, ein Fachidiot oder schlichtweg ein Außenseiter – Das sagt die übliche Definition, wie sie jeder bei Wikipedia nachlesen kann. In den Medien ist er der pickelige Brillenträger mit fettigem Haar. Die Betonung liegt ganz klar auf ,,er" – die weibliche Nerdspezies taucht in der Film und Fernsehwelt nur selten auf. Und der eigentliche Nerd? Wie sieht er sich selbst? Wie sehe ich mich? Wie seht ihr euch ? An dieser Stelle setze ich mal eine Zäsur und hole für einen Beantwortungsversuch etwas weiter aus:


Im 21. Jahrhundert können wir uns an Sendungen wie ,,das Model und der Freak", oder zuletzt ,,Beauty and the Nerd" erfreuen, die gekonnt ihre dicken Klischeekeulen schwingen und der breiten Masse das Bild eines typischen Nerds auf den Tisch hauen. Das Problem liegt hier ganz klar bei dem Wort ,,typisch": Die typische schöne und im Leben erfolgreiche Blonde greift dem typischen bärtigen Sonderling kräftig unter die langen Achselhaare und verwandelt ihn in Prinz Yuppie Goldberg. Ein Tellerwäscher wird zum Millionär. Ein Drama mit Happy End. Das will heutzutage doch jeder sehen, oder? Ja schon gut, das Problem ist offensichtlich und ich will es mal so eloquent wie möglich ausdrücken: dem Publikum wird medial deftig in den Kopf geschissen.



Die beliebte Sitcom rund um die vier liebenswürdigen Physiker tut es auch: Sheldon Cooper, Wolowitz und Co. bedienen die üblichen Klischees eines Nerds: Sie stehen auf Videospiele und Comics, sind modisch nicht ganz auf der Höhe und üben als Physiker einen vom Großteil der Gesellschaft eher belächelten Beruf aus. Und ja, das ganze ist dabei verdammt charmant und urkomisch. Der großartige Jim Parsons gewinnt 2009 den Emmy. Nahezu Jeder kennt und liebt seine Figur Sheldon Cooper. Nerds sind nicht mehr die belächelten Außenseiter von Früher, sie sind cool, witzig und voll im Trend. Ihr seht wo das Problem ist: Was ist das denn für ein Nerd, den plötzlich jeder mimen möchte? Denn ich selbst frage mich – und damit komme ich wieder zur Ausgangsfrage zurück: Bin ich wirklich diejenige, die als selbstbetitelter Nerd bei den Gags von ,,TBBT" auch über sich selbst lacht? Genau wie das übrige Publikum, lache ich über den von der Sendung präsentierten typischen Streber, Antisozialisten und Fachidioten. Also nein. Ich kann gar nicht über mich selbst lachen, weil dieses medial produzierte Nerdverständnis einfach nicht real ist. Was ist denn nun ein Nerd, wenn dieser eine klischeeüberladene Sonderling aus den Medien komplett surreal ist ?

Nun, ich glaube das Wort, welches die Prämisse am besten zum Ausdruck bringt ist ,,Leidenschaft". Meine Leidenschaft (und natürlich die der meisten hier auch) sind vorderrangig Games. In meinem Zimmer hängt ein großes Poster von Ezio Auditore, auf meinen Regal steht eine kleine Figur von Vivi aus FF9 und dicht daneben befinden sich Bücher von Metal Gear Solid, ... Ich bleibe bis 4 Uhr Nachts auf, weil mich ein Heavy Rain einfach nicht los lässt; ich diskutiere furchtbar gern mit meinen Freunden über die verworrene Geschichte von Metal Gear; wenn ich ein tolles Spiel beendet habe, lese ich mich durch Artikel und Foren, weil ich noch mehr Informationen rund um das Game haben möchte; beim joggen höre ich die Metal/ Rock Remixes diverser Final Fantasy Soundtracks und wenn mich mein Professor in der Uni danach fragt, was ein ,,Paradigma" ist, denke ich als erstes an ,,Paradigm Shift" aus FF13.

Ihr wisst worauf ich hinaus will und ihr erkennt euch sicherlich wieder. Es ist dieser Drang alles mögliche aus seiner Vorliebe heraus zu saugen, sich nie zufrieden zu geben, nie genug zu bekommen, Ein einfaches Interesse wird durch Hingebung, Aufwand und Enthusiasmus zu einer Leidenschaft. Während des Schreibens merke ich, wie ich nahezu in eine Art Trance verfalle: So viele Worte bringen das zu Ausdruck, was es heißt ein Nerd zu sein: Neugier, Kreativität, Energie, Wissensdrang, ...


Wir brauchen keine dicken Brillen, Hochwasserhosen und Chemische Formeln auf dem Shirt, um cool und trendy zu sein. Wollen wir ja auch gar nicht. Das Nerdsein bedarf keiner Mimikry und das Nerdsein ist gewiss kein schnelllebiger Modetrend. Eine Leidenschaft wechselt man ja schließlich nicht jede Woche, oder? Jetzt muss ich mir erlauben, die Debatte zu überspitzen: Entweder man ist ein Nerd (und zwar schon immer!), oder eben nicht (und wird es dann auch nie sein!); Die mit den dicken Brillen schwimmen irgendwann im Strom weiter zu nächsten Trendinsel und wir bleiben auf unserem verlassenen Eiland zurück. Und das ist auch gut so.


Donnerstag, 11. Juli 2013

Spiele aus dem Laden




Mein einssechzig hohes Ich hockt mit krummen Rücken vor dem PC. „ich könnte mir ja mal wieder ein Spiel gönnen. Ja das tue ich, heute kaufe ich mir ein Spiel“. Der Weg zum nächsten Elektronikgeschäft ist weit und auf das Wetter kann man sich sowieso nicht verlassen. Aber ist ja auch egal, denn zum Glück gibt es in den weiten Welten des Internets Abhilfe für faule Couchkartoffeln. Online-Handel heißt die Zauberformel. Praktisch, bequem, und komfortabel. Alles was ich bewegen muss sind meine Finger. Der größte Aufwand ist es, die Preise und Angebote der verschiedenen Händler zu vergleichen. Mit vier Klicks ist das Spiel – an diesem Tage Dragon's Dogma: Dark Arisen - bestellt und bereit, von fleißigen Händen in Pappe gehüllt zu werden. Das erwartete Paket kommt sicherlich schon Morgen an. Das beste ist: Ich habe nicht einmal das Gefühl für meine Belohnung irgendeinen Finger krumm gemacht zu haben (nun, wörtlich genommen habe ich es ja doch). Das Geld, was ich ausgebe muss ich nicht sehen und deshalb tut es mir auch nicht Leid, wenn ich es weggeben muss. Die Menschen, die das Spiel verkaufen und verpacken sind irgendwo anders – Sie existieren für mich in einer Parallelwelt, weit weit entfernt. Diese Menschen könnten auch Cyborgs oder andere Maschinen sein. Niemand steht sich Angesicht zu Angesicht gegenüber. Ich muss mich um nichts und niemanden kümmern. Alles ist vollkommen anonym und ohne Image.

Mein einsdreißg hohes Ich hockte zappelig vor dem Pult im Klassenzimmer. „heute ist DER Tag, endlich habe ich genug Geld zusammen gespart, heute kaufe ich mir ein Spiel !“. Als die melodische Schulklingel zum letzten mal am Tag ertönte, warf ich meinen Ranzen über die Schulter, nahm die kurzen Beine in die Hand und rannte auf schnellsten Wege zum größten Einkaufszentrum der Stadt. Mit jedem Meter, den ich zurücklegte, stieg die Aufregung. Schließlich stand ich vor meinem Spielzeugladen, aus dem ich einst Spiderman, Batman und diverse Schlümpfe mit nach Hause nahm. Die automatischen Türen des Geschäfts hätten an diesem Tage nicht langsamer aufgehen können. Der Bauch kribbelte, das Herz flatterte fröhlich. Erwartungsvoll stand ich nun vor dem spärlich bestückten Spieleregal. Auf der linken Seite waren die teuren PS-One Spiele zu finden, bei deren Anblick ich mich immer fragte, ob ich denn jemals in den Genuss dieser mysteriösen grauen Konsole kommen würde... Mein Augenmerk richtete sich also auf die rechte Seite, wo die GameBoy -und GB-Color-Spiele aufgereiht waren. „Pokemon Rot/ Blau? habe ich schon. Zelda kenne ich auch und dieses Turok kaufe ich mir bestimmt nicht noch einmal! Aber dieser Typ mit dem Schnurrbart: M-A-R-I-O. Ach der ist das, von dem sprechen immer alle. Auf der Verpackung ist ein Hai mit Boxhandschuhen abgebildet? Jetzt bin ich vollkommen überzeugt.“

Super Mario Land 2 sollte es also sein. Ich schnappte die Plastikhülle, in der das Game eingeschlossen war und begab mich stolz zur Kassiererin. ,,Eh die das Ding auffummelt! Warum dauert heute alles so lange?“


Der Gang nach Hause nach dem Kauf eines neuen Videospiels war eine heroische Heimreise. Der Gang nach Hause war ein Triumphzug, bei dem ich meinen schwer erbeuteten Schatz am liebsten gen Himmel gestreckt hätte, um mit der ganzen Welt (oder zumindest mit ganz Schönebeck) mein Glück teilen zu können. In meinem Kopf malte ich mir aus, wie das Spiel wohl sein würde: „Welche Abenteuer werde ich wohl erleben? Hoffentlich ist es nicht auf englisch und hoffentlich ist es nicht so schwer.“ Ich konnte kaum es abwarten, meinen Freunden von meiner neuen Errungenschaft zu berichten. „Wie werden sie es wohl finden? Und was werden meine Eltern wieder sagen?“. Meter um Meter. Minute um Minute. Ungeduldig tappelte ich über die Straßen - stets darauf bedacht, die bunte Plastiktüte mit dem wertvollen Inhalt fest unter den Arm zu halten...

 Es gab doch damals nichts schöneres, als das mühsam angehäufte Taschengeld im Spielzeug -oder Elektronikladen um die Ecke zu verprassen, oder? Man machte sich keine Vorwürfe und scherte sich nicht um das verlorene Geld - naja, ein wenig doch, aber man hatte es gegen etwas Gutes eingetauscht. Und das bei vollem Bewusstsein, bei vollkommener Anwesenheit und mit all seiner Aufmerksamkeit.


Wenn ich mir heute ein Spiel direkt aus dem Laden kaufe (was leider viel zu selten vorkommt), merke ich, dass sich im Vergleich zu früher eigentlich nichts geändert hat. Diese infantile, unbeschwerte Freude ist immer noch da. Die Aufregung und die Ungeduld - das Spiel fühlt sich einfach wirklicher, realer an. Zuhause angekommen, macht das Auspacken umso mehr Spaß. Das Abreißen der Folie? Ein Genuss. Der Geruch der Verpackung? Eine Essenz, genüsslicher als jeder Frühlingsduft. Und das alles habe ich selber aus eigener Arbeit beschafft. Ich sollte mir jedes mal diesen Ansporn nehmen, wenn ich ein neues Game mein Eigen nennen möchte. Ich sollte dem Geschäft, welches ich mit meinen Füßen betrete und welches ich mit vollen Händen wieder verlasse, eine Chance geben und meiner Faulheit den Rücken kehren.


Mittwoch, 29. Mai 2013

Die Zukunft des Gaming - XBoxOne, PS4 oder WiiU ?

Nach der Pressekonferenz von Microsoft in Redmond am 21. Mai sind nun alle drei Katzen aus dem Sack. Die Steine für den Weg in eine neue Zukunft des Gaming sind gelegt. Die Flaggschiffe sind bemannt und die Segel sind gehisst. Aber Schluss mit den Metaphern. Die Spielekultur hat mit der WiiU, der XboxOne und der Playstation 4 nun alle Vertreter der neuen Generation gefunden. Während die WiiU schon etwas länger mit krummen Rücken auf dem Markt herumschleicht, wird man sich bald zum Wohle des Geldbeutels für eine Seite der beiden Lager, Microsoft und Sony, entscheiden müssen. Nintendo, dabei bewusst außen vor gelassen, wird radikal ausgedrückt wohl immer die (mittelschwer) exkludierte Instanz sein. Weniger radikal ist die Annahme, dass Nintendo jedenfalls eine Sonderrolle zukommt. Während Sony mit der PS4 versucht den eher sicheren Weg zu gehen, indem die PS4 neben ein paar Social-Features dem Anschein nach nichts weiteres Interessantes zu bieten hat, schmeißt Microsoft im Gegenzug die volle Ladung Multimedia auf den Tisch. So ist es nun Zeit zu fragen: Wohin geht die Reise? In die Tiefen des Casual-Marktes, oder vielleicht zurück zu den Wurzeln?

Der Sozialfall
Das, was auf der Sony-PK im Februar gezeigt wurde, war keine Offenbarung. Das, was gezeigt wurde, hat meine Kinnlade nicht vollends zum Herunterklappen überzeugen können. Die Hardware-Power der Playstation 4 war schon im Vorfeld klar und innovative, neuartige Features waren noch nie Sonys Steckenpferd. Aber finde ist das denn überhaupt so schlecht? Das äußerst uninteressante und unnötige Social-Feature mal bei Seite gepackt, scheint die PS4 von allen drei Neu-Generationsmodellen wohl die konventionellste ihrer Art zu sein.Viel interessanter als die Konsole selbst, oder zumindest als der gezeigte, nun etwas futuristischer aussehende Controller, waren die auf der Pressekonferenz gezeigten Spiele. Während ein neues Killzone mittlerweile (zusammen mit Call Of Duty) Neumitglied in der Das-Juckt-Mich-Nicht-Die-Bohne-Gruppe ist, hat dafür Deep Down mein Rollenspielerherz sofort freudig umherhüpfen lassen.Auch wenn die Auswahl der gezeigten Spiele doch etwas ernüchternd war, hat sie zumindest einen kleinen Vorgeschmack gegeben, auf das, was uns in Zukunft noch erwartet. Diese PK hat immerhin vermuten lassen, dass die PS4, ihrem gesteigerten Sozialbewusstsein außen vor gelassen, ihrer Bezeichnung als Spielekonsole weitestgehend treu bleiben wird. Wie das Gehäuse der PS4 aussehen wird, was sie kosten soll und ab wann sie von der Ladentheke ins heimische Wohnzimmer wandern soll, hat Sony natürlich im Dunkeln gelassen. Vielleicht war es aber auch ein guter Zug im Pistolenduell zwischen Microsoft und Sony. Zwar hat Sony den ersten Zug gewagt, jedoch können sie nun, nachdem Microsoft mit der Enthüllung der XboxOne nachgelegt hat, mit der Offenlegung des Preises, des finalen Release-Termins und des Designs der Konsole wieder die volle mediale Aufmerksamkeit gewinnen.


Der Reinfall
Was Microsoft am Abend des 21. Mai 2013 bot, war eine durch und durch amerikanisierte Vorstellung, in der die nicht minder wichtigen Spielemärkte, der europäische und der japanische, komplett außen vor gelassen wurden. Anstatt uns in irgendeiner Weise zu beeindrucken, wurden die schwersten amerikanische Geschütze aufgefahren, die da wären: Sport, Waffen und natürlich Fernsehen, TV und Television. Und das Gerät? Mit der XboxOne erwartet uns ein Multimediagerät, das eine zugegeben ziemlich coole Sprach -und Bewegungssteuerung besitzt, das Fernsehen und das Skypen während des Fernsehens ermöglicht und nebenbei auch noch Call Of Duty und EA-Sports-Games abspielen kann. Heiß erwartete, bahnbrechende Exklusivtitel wurden für die abgesonderte Minderheit der alteingesessenen Hardcore-Gamer auf die E3 verschoben, um diese in einer für Videospiel unaffinen Mehrheit abgeschotteten Messehalle aus ihren weißen Tennissocken zu hauen. Dieses Gerät, und dabei vermeide ich bewusst den Begriff Spielekonsole, ist ein Gerät für Jedermann. Alles in Einem. Alles für alle. Nur nichts für mich.


Der Sonderfall
Da Nintendo's eigenwillige Technologien und Innovationen in einer Wolke aus Verwirrung und Indifferenz verpufft sind, äußert mein utopisches Ich ein immer größer werdenden Wunsch. Es ist der Wunsch eines Rückschritts. Ein Rückschritt zurück zu den Wurzeln. Eine Renaissance. Wäre die Wagnis einer Wiederbelebung der klassischen Konsole mit klassischer Knopfdruck-Steuerung nicht reizvoll? Wäre ein Zelda in Hochglanzoptik, ohne Fuchteleinlagen, ohne großes Brimborium und ohne eine Höher-Weiter-Schneller-Philosophie nicht äußerst wünschenswert? Nun, für mich als Gamerin, deren Karriere Mitte der 90er begann jedenfalls schon. Und für all diejenigen, die sich auch zu technikverdrossenen Retrokult-Anhängern zählen sicherlich auch. Leider sind wir da in der Minderheit und müssen weiter im Nostalgiekeller spielen. Oder etwa doch nicht? Denn anscheinend ist Nintendos neues Flaggschiff, die WiiU, auch bei der breiten Masse gekentert. Als summum malum wird nicht zuletzt die Absenz der fehlenden konventionellen (!) Dauerbrenner genannt. Liebes Nintendo, wir wollen doch nur spielen. Gebt uns das, was ihr am besten könnt. Gebt uns ein neues Zelda, Super Smash Bros., RPG's im Stile von Terranigma, Metroid 5 und ein Super Mario, welches ein Super Mario Galaxy spielerisch um Längen übertrifft. Sicher ist, dass die Vorstellung einer Retro-Renaissance über die Grenzen des Indie-Marktes hinweg nicht mehr als ein höchst unrealistischer Wunschtraum bleiben wird. Sicher ist aber auch, dass Nintendo schnell Antworten auf die baldigen E3-Neuankündigungen der Konkurrenz liefern muss, um sich überhaupt noch eine Überlebenschance auf diesem rauen Markt zuschreiben zu können.


Ist es denn wirklich der richtige Ansatz, primär Casual-Gamer, die sich mehr und mehr als große (quantitative!) Macht etabliert haben, bedienen zu wollen? Sind es nicht wir Hardcore-Spieler, die eine Konsole wirklich lebendig machen und am Leben halten? Wir kaufen doch die Spiele. Wir stellen den Entwicklern doch jene Ressourcen bereit, neue Spiele entwickeln zu können. Microsoft hat uns Hardcore-Spielern jedenfalls mächtig vor den Kopf gestoßen und mit Sony's Social-Krims und Sharing-Krams können und wollen wir auch nichts anfangen. Sicher ist es schwer, einen Quantensprung zu ermöglichen, der eine ähnlich große Reichweite wie jener Quantensprung besitzt, der mit der Ablösung der PS2/ Xbox die (mittlerweile wieder) veralte Generation einleitete. Folglich ist es umso schwerer uns mit Technik und Innovation zu beeindrucken. Wenn sich technische Innovation und Multimedia-Features als nicht sonderlich fruchtbar erweisen, so tut es eine Sache besonders: Spiele. So lautet meine Anfrage: Bitte Sony, Microsoft und Nintendo gebt dieser Social-Komponente, dem Multimedia-TV und der Fuchtelwisch-Steuerung die Aufmerksamkeit, die sie verdienen (nämlich gar keine) und verwendet eure Zeit lieber für die Entwicklung von bahnbrechenden, aus allen Tennissocken dieser Welt hauenden Games. Denn anscheinend, gibt's da eine Menge Potential in euren Kisten. Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, die neue Konsolen-Ära steht schließlich noch in den Startlöchern. Ich möchte nicht in Erwägung ziehen, wirre Zukunftsprognosen aufzustellen und kann folglich nicht sagen, wohin die Reise des Gaming wohl gehen wird. Aber ich bin gespannt und gehe mit offenen Armen und offenen Augen der neuen Generation entgegen.

Der Anfang



Jeder Blog braucht einen Anfang. Jede Leidenschaft und jedes Hobby braucht einen Impuls, der dich zu dem verleitet, wohin du die meiste Zeit deines Lebens steckst. Meine Leidenschaft sind Videospiele und diese Leidenschaft fand ihren Anfang Ende der 90er – damals war ich acht. Nach langem Betteln kam ich mit dem GameBoy Color (Farbe: Lila – Durchsichtig) zum ersten Mal in Kontakt mit der Welt der Spiele. Mein erstes Game waren die Schlümpfe - Reise ins Albtraumland. Kurze Zeit später kamen u.a Super Mario Land 2, Turok 2: Seeds of Evil (was nicht nur bockschwer war, sondern sich nach einer bestimmten Zeit immer wieder aufhing), The Legend of Zelda: Link's Awakening (mein Serienliebling) und natürlich Pokemon Rot dazu. Als Kind der 90er und frühen 00er begann gerade mit diesem quadratigem Stück roter Plastik eine Ära, die meine Kindheit und nicht zuletzt meine Jugend in puncto Videospiele entscheidend prägte.

Meine Freunde aus der Grundschule besorgten sich Pokemon Rot oder Blau, und bald drauf wimmelte der ganze Grundschulhof voller Pokemon-Trainer. Es wurde getauscht, gehandelt und bald entwickelte sich ein einflussreiches Pokemon-Kartell mit einer kleinen Gruppe Obernerds als Anführer, zu denen ich mich (im Moment schmunzelnd) ohne zu zögern dazu zählen kann. Als ich ein paar Jahre später beim Judotraining unvorsichtig war und meine geliebte Goldene Edition heimtückisch gestohlen wurde, war das Game mit den ulkigen Hosentaschenkreaturen nicht nur wörtlich, sondern auch im übertragenem Sinne vom Tisch. Vielleicht sollte es so sein. Vielleicht war es eine indirekte, etwas rabiatere Aufforderung, fremde und unentdeckte Wege einzuschlagen: Ich war nun älter und das Cerebrum verlangte nach einer neuen und tiefer greifenden Form spielerischer Beschäftigung.

Ich bin ein großer Fan von Leonardo da Vinci. Gemeint ist der legendäre Tüftler und Erfinder, der dem Assassinen Ezio bei seinen Taten unterstützt und ihm allerlei brauchbare Gadgets zur Verfügung stellt und nicht etwa der Reale da Vinci, so ein Quatsch. Nun denn, in meiner Welt übernahm diese Rolle mein Cousin. Leider musste ich, beziehungsweise mussten meine Eltern jenes Helden-Rüstzeug zwar selber kaufen, aber er war der Ideengeber. Kurzum: Mein Cousin hatte immer das Neuste und Beste. Folglich wollte ich das auch. In diesem Fall war es dieser spezielle matt-graue viereckige Kasten, diese Synthese aus Pausenbrotbox und Discman: eine Playstation One. Als er mich eines Abends bei Final Fantasy 9 zuschauen ließ, war ich dermaßen überwältigt und beeindruckt von den bewegten Bildern und tollen Farben, von der fantastischen Musik und den kleinen dreidimensionalen Spielfiguren, die all meine Erfahrungen mit dem Game Boy Color in den Schatten stellten. Während ich das hier schreibe, gerate ich, auf meiner Nostalgie-Wolke davon zu schweben und muss nun erst einmal eine Pause einlegen.

Gut. Was folgte, ist abzusehen: Ich besorgte mir eine Playstation One - dazu Final Fantasy 9 und Digimon World, ein tolles Spiel, welches durch einen fürchterlichen Bug leider nicht zu Ende gespielt werden kann. Später komplettierte ich dann die Final Fantasy-Reihe, erfreute mich an (oder: wunderte mich über) Metal Gear Solid und ärgerte mich über die miese Steuerung von Tomb Raider IV: The last Revelation.

Und Heute ? Heute schaue ich mich in meiner Bude um und sehe meine verstaubte, aber immer noch intakte PS2 im Schrank stehen; meine Wii und die PS3 freuen sich sicherlich über ihren Ehrenplatz neben dem Fernseher. Mein Spieltrieb hat die schwierige Phase der Pubertät, die Abi-Zeit und die Ära der Selbstfindung auf dem Weg zum Studium tapfer überstanden, sodass ich mich heute immer noch eine stolze Gamerin nennen kann. Besonders Rollenspiele und Action-Adventures haben mich immer noch schnell am Haken: Es ist dieser rudimentäre Drang, Dinge zu sammeln, Dinge zu tauschen und Dinge zu kaufen. Es ist dieser eine Gegenstand bei Xenoblade Chronicles, für den ich eine Stunde auf dem ,,Berg Valak“ herumirre, um der Kolonie ein geschlagenes Stück weiterzuhelfen. Es ist dieser eine Gegenstand, den ich für eine Solaris-Waffe in Final Fantasy 10 brauche, um dem Richter entgegen treten zu können. Dieser eine Gegenstand, der mich entweder in den Wahnsinn treibt, oder mir ein kleines Erfolgsmoment außerhalb des Alltags verschafft. Nicht zu Letzt möchte ich von einer tollen Geschichte unterhalten werden, die mich motiviert, den genannten Aktionen einen Sinn zu verleihen. All diese Dinge haben mich vor mehr als 10 Jahren zu meiner Leidenschaft bewogen. Und das wichtigste ist: Die Welle der Faszination, welche durch Videospiele anfangs über mich gerollt ist, ist auch heute nicht verebbt.